Tuesday, 26. January 2010
Das "Ich" und die Welt
Im Magazin von letzter Woche und im Tagi von heute gibt es drei Artikel, die sich eigentlich alle um des gleiche Thema drehen. Es sind dies das Interview mit Alain de Botton, der Artikel "Ihr erlebt Euren Untergang" und der Artikel "Eine Epidemie der Selbstverliebtheit".
Das Zentrum bildet dabei der Artikel um Amok- und Morddrohungen an Schulen. In dem Artikel geht es um den Umgang mit solchen Situationen, wie soll Lehrer, Rektor, etc. auf Drohungen reagieren, wann sind sie ernst gemeint, wann nicht, .... Die andere Seite, nämlich, wie und warum es zu solchen Drohungen kommt, wird kaum thematisiert. Einzig im Abschnitt "Ich bin das Opfer" wird kurz gesagt:
Das an Schulen kaum etwas gegen Mobbing unternommen wird / werden kann, ist ein bekanntes Problem. Doch anscheinend sind Mobbingopfer bei den Drohern in Unterzahl:
Mal abgesehen vom sehr schwammigen Begriff "objektiv teils schwer nachvollziehbarer Sicht", welcher in meinen Augen eine ungeheure Relativierung des oben erwähnten Mobbingproblems darstellt, kommt mir die Frage, weshalb es eine solche Gruppe überhaupt gibt.
12 Seite weiter vorne findet sich das Interview mit dem Philosphen de Botton wieder. Darin fallen folgende Sätze:
Ich denke, hier wird ein Kern des Problems angesprochen. Unsere heutige, global medialisierte Gesellschaft stellt uns sämtliche Informationen sofort, überall und als leicht verdauliche Kost aufbereitet zur Verfügung. Mit einer Ausname: diejenigen Informationen über uns selbst und unser direktes Umfeld.
Der letzte zitierte Satz ist meiner Meinung nach falsch formuliert, da "sich selbst nicht mehr so ernst nehmen" eigentlich ein wünschenswerter Effekt wäre. Ich denke, gemeint ist mehr eine Vernachlässigung der eigenen Psychohygiene.
Und hier tritt nun der dritte Artikel auf. Eine Vernachlässigung der Psychohygiene führt meist zu psychischen Störungen und Fehlverhalt. Der Klassiker hierbei dürfte der Narzissmus sein. Und tatsächlich:
Narzissmus ist auf dem Vormarsch. Auch in Europa:
Und als einer der Sargnägel erwähnt wird:
Um zum Abschluss eine persönliche Zusammenfassung zu machen: Ein junger Mensch von heute hat zahllose mögliche Wege die er beschreiten kann, vielleicht mehr als je zuvor in der menschlichen Geschichte. Die Frage ist, sind wir mit dem gegangenen Weg glücklich, denken wir, dass wir weise gegangen sind? Und hier kommt die Frage nach dem Ziel. Hat jemand in den 50igern sein Ziel erreicht, so hatte er einen guten Posten mit geregeltem Einkommen in einer anständigen Firma inne. Ein Ziel, dass fast jeder erreichen konnte mit etwas Einsatz (zumindest, wenn man weiss war und in der wetlichen Hemisphäre gelebt hat). Doch heute wird ein anderes Lebensziel zelebriert, dasjenige einer Celebrity. Und zwar nicht wie früher der "Märchen-"Prinz, sondern Frau Hinz und Herr Kunz. Ziel erreicht hat, wer in der Schweizer Illustrierten seine Wohnung zeigen darf. Ein Ziel, welches heutzutage viel mehr Leute erreichen können als noch vor 50 Jahren, dank den B-,C-,D-,... Promis, aber trotzdem eine Ziel das nur die wenigsten erreichen. Alle andern haben die Wahl, entweder mit ihrem Weg auch zufrieden zu sein, dies bedarf aber eines Bewusstseins des Zusammenspiels zwischen sich selbst und seiner Umwelt, sowie der oben erwähnten Selbstreflektion. Oder eben, man entwickelt sozial destruktives Verhalten. Das Problem hierbei ist, dass die meisten Menschen, weder vom Elternhaus, noch von der Schule dieses Bewusstsein seiner Selbst mit auf den Weg bekommen.
(Photo gefunden bei Flckr)
Und natürlich wurden nicht wenige jener Schüler, die wie dieser 14-jährige St. Galler Todesdrohungen gegen andere aussprechen, zuvor verletzt, geplagt, teilweise noch in einer früheren Schule als der gegenwärtigen, und bei manchen wenden sich diese erlebten Aggressionen jetzt.
Das an Schulen kaum etwas gegen Mobbing unternommen wird / werden kann, ist ein bekanntes Problem. Doch anscheinend sind Mobbingopfer bei den Drohern in Unterzahl:
«Aber der übergrosse Teil», sagt Hermann Blöchlinger, «hat sich selbst zu Opfern ernannt.» Die allermeisten Droher empfänden sich als von der Welt Verstossene — ohne dass es für diese Einschätzung bei unvoreingenommener Betrachtung der Fakten irgendwelche ernst zu nehmenden Anhaltspunkte gäbe. (...)
«Sehr viele der Droher sind Opfer», sagt Blöchlinger, «aus subjektiver, objektiv teils schwer nachvollziehbarer Sicht.» Oft findet er Hinweise auf stark mangelndes oder kaum vorhandenes soziales Einfühlungsvermögen. «Das Gefühl, unverschuldet unter die Räder geraten, von der ganzen Gesellschaft allein gelassen worden zu sein, ist der Ursprung vieler Bedrohungen.» Und in der übergrossen Zahl der Fälle sei das eine Fehleinschätzung, eine Verkennung von Ursache und Wirkung.
Mal abgesehen vom sehr schwammigen Begriff "objektiv teils schwer nachvollziehbarer Sicht", welcher in meinen Augen eine ungeheure Relativierung des oben erwähnten Mobbingproblems darstellt, kommt mir die Frage, weshalb es eine solche Gruppe überhaupt gibt.
12 Seite weiter vorne findet sich das Interview mit dem Philosphen de Botton wieder. Darin fallen folgende Sätze:
Mich erstaunt eher, dass dieser ungeheure Informationsfluss tatsächlich viele Menschen glauben lässt, man müsse sich mehr für die Welt um sich herum als für sich selbst interessieren. (...) Bevor man sämtliche Weltprobleme in seine Agenda schreibt, wäre es gewiss klüger, wenn man zuerst einmal versuchen würde, seine eigene Lebensgeschichte zu verstehen. Oder wenigstens klarzukommen mit all den negativen Gefühlen, den Ängsten, denen man täglich immer ausgesetzt ist. (...) Die Dauerpräsenz von bis zu 99 Prozent unwichtigen Informationen führt dazu, dass Menschen sich selbst nicht mehr so ernst nehmen.
Ich denke, hier wird ein Kern des Problems angesprochen. Unsere heutige, global medialisierte Gesellschaft stellt uns sämtliche Informationen sofort, überall und als leicht verdauliche Kost aufbereitet zur Verfügung. Mit einer Ausname: diejenigen Informationen über uns selbst und unser direktes Umfeld.
Der letzte zitierte Satz ist meiner Meinung nach falsch formuliert, da "sich selbst nicht mehr so ernst nehmen" eigentlich ein wünschenswerter Effekt wäre. Ich denke, gemeint ist mehr eine Vernachlässigung der eigenen Psychohygiene.
Und hier tritt nun der dritte Artikel auf. Eine Vernachlässigung der Psychohygiene führt meist zu psychischen Störungen und Fehlverhalt. Der Klassiker hierbei dürfte der Narzissmus sein. Und tatsächlich:
Seit 1979 befragten amerikanische Psychologen mittels eines standardisierten Tests regelmässig US-Studenten auf Narzissmus-Merkmale – bis 2009 fast 20'000 junge Frauen und Männer. Zeigten Mitte der Achtzigerjahre etwa 14 Prozent der Interviewten erhöhte Narzissmuswerte, waren es 2009 mehr als 25 Prozent.
Narzissmus ist auf dem Vormarsch. Auch in Europa:
Hans-Werner Bierhoff bestätigt die Tendenzen für Europa. In einer seiner jüngsten Studien erwies sich jeder fünfte deutsche Student als übermässig narzisstisch.
Und als einer der Sargnägel erwähnt wird:
Rabiat kulturpessimistisch vermutet die Psychologin Susan Linn von der Harvard University, dass derlei TV-Sendungen (Casting-Shows oder Reality-Sendungen) zu stetig wachsender Akzeptanz narzisstischer Tendenzen führen. «Ein Desaster für Kinder», findet Linn, «da werden ungesunde Werte vermittelt und falsche Erwartungen an das Leben.»
Um zum Abschluss eine persönliche Zusammenfassung zu machen: Ein junger Mensch von heute hat zahllose mögliche Wege die er beschreiten kann, vielleicht mehr als je zuvor in der menschlichen Geschichte. Die Frage ist, sind wir mit dem gegangenen Weg glücklich, denken wir, dass wir weise gegangen sind? Und hier kommt die Frage nach dem Ziel. Hat jemand in den 50igern sein Ziel erreicht, so hatte er einen guten Posten mit geregeltem Einkommen in einer anständigen Firma inne. Ein Ziel, dass fast jeder erreichen konnte mit etwas Einsatz (zumindest, wenn man weiss war und in der wetlichen Hemisphäre gelebt hat). Doch heute wird ein anderes Lebensziel zelebriert, dasjenige einer Celebrity. Und zwar nicht wie früher der "Märchen-"Prinz, sondern Frau Hinz und Herr Kunz. Ziel erreicht hat, wer in der Schweizer Illustrierten seine Wohnung zeigen darf. Ein Ziel, welches heutzutage viel mehr Leute erreichen können als noch vor 50 Jahren, dank den B-,C-,D-,... Promis, aber trotzdem eine Ziel das nur die wenigsten erreichen. Alle andern haben die Wahl, entweder mit ihrem Weg auch zufrieden zu sein, dies bedarf aber eines Bewusstseins des Zusammenspiels zwischen sich selbst und seiner Umwelt, sowie der oben erwähnten Selbstreflektion. Oder eben, man entwickelt sozial destruktives Verhalten. Das Problem hierbei ist, dass die meisten Menschen, weder vom Elternhaus, noch von der Schule dieses Bewusstsein seiner Selbst mit auf den Weg bekommen.
(Photo gefunden bei Flckr)





Kommentare
Mon, 06.09.2010 01:04
Das ist verdammt anstrengend, ich bin aufgewacht und f [...]
Mon, 06.09.2010 00:57
time for...Piiiiiigs...iiiin...spaaaaaaace!
Sun, 05.09.2010 21:51
Rocky Horror Show meets Florian, the Scientist... Du h [...]
Sun, 05.09.2010 20:45
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Thu, 02.09.2010 21:39
Leider sind die allgemein wenig bekannt! ich versuche [...]